Chaosfabrik: Apple-Boss Tim Cook kritisiert das Silicon Valley

Den Verlust der Privatsphäre durch Unternehmen im Silicon Valley klagte Apple-CEO Tim Cook jetzt vor Absolventen der Stanford Universität an
Den Verlust der Privatsphäre durch Unternehmen im Silicon Valley klagte Apple-CEO Tim Cook jetzt vor Absolventen der Stanford Universität an

 

CAFM-NEWS – In einer Rede vor Absolventen der Stanford University hat Apple-CEO Tim Cook das Silicon Valley als Chaosfabrik kritisiert, die nicht die Verantwortung übernehme für das , was sie verursacht. Damit zielte Cook vor allem auf den Verlust der Privatsphäre ab, was von einigen Unternehmen zum Geschäftszweck erhoben ist. Und auch wenn er keine Namen nennt, Mark Zuckerberg gehört sicher zu den Adressaten.

Cook warf in seiner Rede ein kritisches Licht auf einige der jüngsten Entwicklungen aus der kalifornischen IT-Hochburg: Technologie verändere nicht, wer wir sind, es vergrößere vielmehr, wer wir sind – im guten wie im schlechten. Das Silicon Valley sei verantwortlich für einige der tiefgreifendsten Veränderungen in der modernen Welt. In jüngster Zeit aber scheine es so, als würde es eher für weniger anständige Innovationen wahr genommen: Die Annahme, Verdienste für sich in Anspruch nehmen zu können, ohne die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen.

Dann listet Cook auf, was er meint: Datenmissbrauch, Verletzung der Privatsphäre, die Ignoranz gegenüber Hasspostings, Fake News und – in Anspielung auf den Skandal um eine Blutspende-Einrichtung in den USA – falsche Versprechnungen für einen Tropfen Blut.

Viele schienen zu glauben, gute Absichten entschuldigten ein schädliches Ergebnis. Aber sie müssten sich vor Augen halten, dass das, was sie schaffen, auch zeigt, wer sie sind. Es sei ein Irrglaube, man können eine Chaosfabrik bauen und sich dann vor der Verantwortung für das Chaos wegducken. Verantwortung zu übernehmen bedeute, den Mut zu haben, die Dinge zu Ende zu denken. Das gelte insbesondere im Bereich der Privatsphäre.

Dann warnt Cook vor den Konsequenzen, die ein Verlust der Privatsphäre, also die Transparenz des einzelnen, bedeute: Wenn wir es als normal und unausweichlich ansähen, dass jeder Aspekt unseres Lebens zusammengetragen, verkauft oder auch nur bei einem Hack geleakt werden kann, gehe viel mehr als Daten verloren: Wir verlören die Freiheit, Menschen zu sein.

Dann forderte er die Absolventen auf, sich vor Augen zu führen, was auf dem Spiel steht: Alles was sie schreiben, alles was sie sagen, jedes kleine Kuriosität, die sie teilen, jeder aufrichtige Gedanke, jede Enttäuschung oder Schwäche, jede Klage, jedes Geheimnis, dass im Vertrauen geteilt wird. Solche Dinge würden in einer Welt ohne digitaler Privatsphäre von den Menschen selbst zensiert, auch wenn sie gar nichts falsch machten und nur anders dächten.

Erst zensierten sich die Menschen nur ein bisschen, dann noch ein bisschen und noch ein bisschen, um weniger zu riskieren, weniger zu hoffen, um sich weniger vorzustellen, um weniger zu wagen, um weniger zu gestalten, um weniger auszuprobieren, um weniger zu sprechen, um weniger zu denken. Digitale Überwachung berühre alles und verhindere vieles, so Cook. Und ironischer Weise sei die Welt, die hierdurch geschaffen wird, eine Welt, die so etwas wie das Silicon Valley von Beginn an verhindert hätte.

Wenn Freiheit ein Umfeld beschreibe, in dem große Ideen viel Raum bekommen, ohne irrationale Begrenzungen oder Auflagen fürchten zu müssen, dann sei es aller Pflicht, den Kurs zu ändern, forderte der Apple-Chef. Denn die Generation der heutigen Absolventen müsse die selben Chancen haben, die Zukunft zu gestalten, wie die Generationen vor ihnen.

Um diese aktuell virulenten Valley-Fehler nicht zu machen, rät Cook den Absolventen, ihren Ehrgeiz mit Bescheidenheit zu flankieren. Es sei nötig, Verantwortung zu übernehmen. Und ebenso, anders zu denken, um etwas wertvolles zu hinterlassen.

Die ganze Rede ist auf Youtube im Mitschnitt des Stanford University Commence zu finden. Cook spricht von 1.12:18 bis 1.29:45.


Abbildungen: Stanford University



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