Der Bund macht jetzt auch BIM

BIM ist im Bund angekommen und weiter, als mancher ahnt - Bild: Saulo Collado/stock.adobe.com
BIM ist im Bund angekommen und weiter, als mancher ahnt – Bild: Saulo Collado/stock.adobe.com

CAFM-NEWS – Auch wenn es nicht offensichtlich scheint: BIM ist im Bund angekommen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) haben sich als Vorreiter etabliert. Was sie tun und wohin die Reise geht? Wir haben bei Michael Zibell, Abteilungsleiter digitale Werkzeuge der BImA, und Antje Grande, Referentin für die Prozesse der Infrastruktur und deren Digitalisierung beim BMVg und Leiterin der Lenkungsgruppe BIM im Bundesbau, nachgefragt.

CAFM-NEWS: Seit Juli gilt verpflichtend: Ab 6 Mio. Euro hat die öffentliche Hand mit BIM zu bauen. Ist das jetzt der Startschuss oder gibt es bereits Projekte über und auch unterhalb dieser Summe, die mit BIM gebaut werden?

Zibell: Die Verpflichtung zu BIM im Bundesbau orientiert sich nur indirekt am Kostenziel der Baumaßnahme von 6 Mio. Euro. Die Anwendung der Methode BIM wird dann verpflichtend, wenn die Baumaßnahme als Bauprojekt nach der neuen RBBau Abschnitt E durchgeführt wird. Das ist ab einem Kostenziel von 6 Mio. Euro verpflichtend, kann aber auch bereits früher vom Projektteam vereinbart werden. Zum Beispiel, um der Komplexität der baulichen Maßnahme gerecht zu werden. Mit der Durchführung als Bauprojekt greifen nach neuer RBBau qualitative Anforderungen an die Projektsteuerung. Ähnlich den Zielen, die man mit der Anwendung von BIM – z.B. durch die intensive Kollaboration – verfolgt.

Michael Zibell, BImA

Michael Zibell, BImA

Für diese verpflichtende Anwendung nach den Ausarbeitungen der Geschäftsstelle BIM ist das der Startschuss und wir erreichen damit sicherlich eine völlig neue Qualität und flächendeckende Anwendung der Methode. Es laufen aber auch bereits Pilotprojekte, in denen seit mehreren Jahren die Leitplanken für die heutige Umsetzungsstrategie und die drumherum angesiedelten Leitfäden und Anwendungshilfen erprobt wurden und werden. Darüber hinaus arbeiten wir im Bundesbau bei vielen Tätigkeiten auf Basis objektorientierter Datensätze, mit kollaborativen Plattformen oder anderen Bausteinen, die man als Bestandteile von BIM kennt, wenngleich sie i.d.R. unter der Methode BIM geringfügig anders ausprägt würden. Der Übergang ist hier m.E. fließend.

Grande: Die Frage ist differenziert zu beantworten: BIM ist – insbesondere in der Anfangsphase – nicht gleich BIM. Was ich damit sagen möchte ist, dass wir BIM in ganz vielen Bauprojekten unter und oberhalb der von Ihnen angesprochenen Wertgrenze bereits anwenden, allerdings jeweils noch in unterschiedlichen Ausprägungen.

Ein wesentlicher Anteil von BIM ist das kollaborative Arbeiten in einem digitalen Projektraum – dies ist z.B. im GB BMVg für alle Baumaßnahmen angewiesen, unabhängig davon, ob in dem Projekt weitere BIM-Anwendungsfälle umgesetzt werden. Gleichzeitig haben wir für den Bundesbau mit Veröffentlichung der Umsetzungsstrategie deutlich gemacht, dass die von Ihnen genannten Vorgaben das Pflichtprogramm darstellen, alle Beteiligten aber eingeladen sind, BIM auch in anderen Baumaßnahmen – insbesondere auch kleineren –anzuwenden.

CAFM-NEWS: Wie empfehlenswert ist in Ihren Augen der Einsatz der BIM-Methode generell für öffentliche Bauvorhaben? Gibt es eine Bausumme, unterhalb derer sich BIM nicht lohnt?

Grande: Ganz klare Aussage aus Sicht „BIM für Bundesbauten“: Es lohnt sich immer! Einen pauschalen Schwellenwert gibt es aus unserer Sicht nicht. Wir versprechen uns von einer systematischen und konsequenten Anwendung der Methode BIM eine transparente Standardisierung der Infrastrukturverfahren und eine wesentliche Verbesserung für den Betrieb – das funktioniert nur, wenn wir immer BIM anwenden.

Je nach Art und Umfang der Baumaßnahme wird es wahrscheinlich Unterschiede hinsichtlich der konkret eingesetzten BIM-Anwendungsfälle geben. Hier werden wir in den nächsten Jahren aus der gelebten Praxis kontinuierlich lernen müssen, was in welchem Kontext und Umfang sinnvoll und wirtschaftlich ist.

Zibell: Dem stimme ich zu. Wie eben bereits angedeutet, variiert der Umfang von BIM in den Anwendungsfällen und deren Ausprägung in den Projekten der BImA und anderswo. Es geht aus unserer Sicht daher nicht darum, ob sich BIM lohnt, sondern welche Bestandteile von BIM in einer baulichen Maßnahme einen Mehrwert bringen. Digitales kollaboratives Arbeiten sehe ich immer als Mehrwert in einem Projekt an.

CAFM-NEWS: Gefordert ist im Masterplan BIM auch eine Umsetzungsstrategie der öffentlichen Hand. Wie weit ist diese schon gediehen?

Grande: Nach unserem Verständnis ist die Forderung im Masterplan BIM mit der Veröffentlichung der Umsetzungsstrategie BIM für Bundesbauten im März 2023 erfüllt. Damit werden die zur Umsetzung erforderlichen nächsten Schritte für alle Beteiligten beschrieben – also GB BMVg, BImA, GS BIM und den Bauverwaltungen der Länder bzw. dem BBR.

Antje Grande, BMVg

Antje Grande, BMVg

Hinzufügen möchte ich noch, dass wir bei der Umsetzungsstrategie und dem Angebot der GS BIM eine kontinuierliche Weiterentwicklung sehen. Auch im allgemeineren Bereich der Digitalisierung arbeiten BImA und BMVg eng zusammen. In allen diesen Bereichen verfolgen wir agile Ansätze. Das heißt für uns, dass wir auf Grundlage unseres heutigen Wissens konkrete Pläne aufstellen und diese umsetzen. Das haben wir mit der Umsetzungsstrategie bezogen auf den Masterplan BIM erreicht.

Zugleich sind wir uns aber auch bewusst, dass man nie aufhört zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Neuen Erkenntnissen und Herausforderungen werden wir mit der gleichen hohen Qualität begegnen und unsere Festlegungen und Angebote fortschreiben.

CAFM-NEWS: Welche Erfahrungen gibt es mit BIM bereits innerhalb der öffentlichen Hand und was lässt sich aus diesen ableiten?

Zibell: Im gesamten Bundesbau gibt es unterschiedlichste Erfahrungen aus den Pilotprojekten und darüber hinaus. Aus Sicht der BImA nehmen wir mit, dass die flächendeckende Einführung und Anwendung eine umfassende Change-Begleitung erfordert. Die Baumaßnahmen werden von Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen umgesetzt und begleitet.

Es muss ein Austausch in den Projekten, zwischen den Projekten und zwischen unseren Organisationen ermöglicht werden, über den sich Wissen und Klarheit zu alltäglichen Fragestellungen verbreitet und damit den Raum für Unsicherheiten und Zurückhaltung verkleinert. Diesen Austausch können und sollten wir für die BImA noch verbessern.

Grande: Wir haben gelernt, dass BIM als Methode einzuführen ein grundlegendes Umdenken bei der Art der Zusammenarbeit erfordert – weniger Sparten und Abgrenzungen zwischen den Projektbeteiligten, dafür mehr Miteinander. Außerdem haben wir festgestellt, dass wir tatsächlich – also technisch konkret im Sinne eines Level of Information Need (LOIN) – nicht immer sagen konnten, was wir für den Betrieb an Informationen benötigen.

Aus dem GB BMVg werden in der zweiten Jahreshälfte 2023 erste anschauliche Vorschläge für BIM Betriebs-Anwendungsfälle vorliegen und dann über die etablierten Gremien im Bereich BIM für Bundesbauten selbstverständlich mit BImA, BBR und den Bauverwaltungen zur weiteren Abstimmung geteilt.

CAFM-NEWS: Wie lange wird es Ihrer Ansicht nach dauern, bis BIM tatsächlich als feste Größe im Bau von Bund, Ländern, Gemeinden und anderen öffentlichen Bauträgern etabliert ist?

Zibell: Ich denke, dass BIM bereits heute für viele Beteiligte von Bauprojekten der öffentlichen Hand eine feste Größe ist. Nur, weil beispielsweise die Genehmigung nicht auf Basis von Modellen erfolgt, heißt das ja nicht, dass die Planer nicht bereits ihre Gewerke über Kollisionsprüfungen abgleichen.

Für uns als Immobilienverwalter und Bauherr verstehe ich unter fester Größe für das Bauen insbesondere auch die Anwendung von BIM bei Erhaltungsmaßnahmen im Bestand sowie der Übernahme der Modelle in den Betrieb. Dies setzt insbesondere voraus, dass wir Bauwerksinformationsmodelle unserer Liegenschaften und Gebäude bereitstellen, auf deren Basis mit Mehrwert geplant werden kann. Den Prozess dafür können wir in den nächsten fünf Jahren technisch ermöglichen. Wie viele Bestandsmodelle dann sinnvoller Weise vorliegen könnten, vermag ich nicht zu prognostizieren.

Grande: Eine feste Größe im Sinne von „BIM ist im Bundesbau anzuwenden“– zumindest im Rahmen der oben genannten Einschränkungen während der Einführungsphase – wird BIM aus meiner Sicht schon bald sein. Ich kann mir vorstellen, dass mit Blick auf die Meilensteine des Masterplans BIM im Bundesbau und den ersten Rückläufern von den Beteiligten dies schon im Jahr 2028 so weit sein wird.

Darüber hinaus hat der Bund hier eine große Signalwirkung und Vorbildfunktion für andere öffentliche Bauträger. Übergreifend erwarte ich BIM als feste Größe im Bau von Bund, Ländern, Gemeinden und anderen öffentlichen Bauträgern bis allerspätestens 2040.

CAFM-NEWS: Große Industriekonzerne sind teilweise schon seit vielen Jahren mit BIM aktiv. Warum dauert es so lange, bis beim Bund Bewegung in die Sache kommt?

Zibell: Ich selber habe die Entwicklungen lange Zeit von außen verfolgt und mir diese Frage gestellt. Inzwischen durfte ich über meine Position aber lernen, was es bedeutet, dass für einen funktionierenden Bundesbau eine Vielzahl von Organisationen auf Bundes- und Landesebene nach dem Prinzip unserer föderalen Gesellschaft zusammenwirken muss.

Generell müssen in dem Umfeld bei Digitalisierungsprojekten die unterschiedlichen vorhandenen Systeme und Begebenheiten der Organisationen berücksichtigt werden. Das sind immer wieder Abhängigkeiten und Details in Prozessen, an denen festgehalten wird oder werden muss. Insbesondere mit der Reform Bundesbau nehme ich eine Interessenverschiebung wahr. Das Gemeinsame und Kollaborative steht absolut im Fokus. Das ist die richtige Grundlage für BIM und ermöglicht uns viel mehr Bewegung in die Sache zu bringen als bisher.

Grande: Selbst sehr große Industriekonzerne kann man im Hinblick auf die von ihnen zu betreibende und zu bauende Infrastruktur nur schwer mit dem Bundesbau vergleichen. Vor allem sind sie nicht so komplex organisiert.

Auf Bundesebene sind allein für den Bundeshochbau drei Ressorts mit unterschiedlichen Dienststellen betroffen und wollen berücksichtigt werden. Beim Mengengerüst der Infrastruktur sprechen wir allein für die Bundeswehr von rd. 1.500 Liegenschaften bundesweit mit einer Gesamtfläche etwa so groß wie das Saarland, rund 33.000 Gebäuden und Hunderttausenden von technischen Anlagen und Ingenieurbauwerken.

Jedes Jahr beschäftigen wir uns mit rund 2.000 Baumaßnahmen in unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Stadien. Für die BImA können sie nochmal etwa die Hälfte davon oben draufschlagen. Dazu kommen weitere Rahmenbedingungen, wie z.B. die der Vergabe – (Stichwort open BIM vs. closed BIM.
Das soll gar keine Rechtfertigung sein, sondern eher eine Feststellung. Und glauben Sie mir: Gemessen an Laufzeiten im Bundeskontext insbesondere bei ressortübergreifenden Abstimmungen sind wir schnell!

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CAFM-NEWS: Wird BIM dabei helfen, die immer wieder überbordenden Baukosten im öffentlichen Sektor zu bändigen und endlich verlässliche Prognosen zu erhalten? Oder werden dem Steuerzahler auch zukünftige Fehlkalkulationen wie beim Flughafen Berlin-Brandenburg, der Elbphilharmonie oder Stuttgart 21 nicht erspart bleiben?

Zibell: Die Arbeitsmethode kann die Qualität von Kostenberechnungen verbessern, wenn sie klug eingesetzt wird. Daraus den Umkehrschluss zu ziehen, dass wir mit BIM alle Ursachen für gravierende Baukostensteigerungen während der Projektlaufzeit unterbinden, halte ich für falsch. Viele Ursachen lassen sich z.B. auch durch eine umfassende Risikobetrachtung im Auge behalten, welches keine Besonderheit von BIM ist, aber verpflichtender Bestandteil der neuen RBBau für Bauprojekte nach Abschnitt E. Wir sollten derartige Ziele nicht alleine mit BIM angehen und machen das auch nicht, wie das genannte Beispiel zeigt.

Grande: BIM ist kein Allheilmittel gegen Fehlplanungen oder Fehler in der Projektkoordinierung. BIM hilft uns, Anforderungen früh im Planungsprozess greifbar zu machen und besser als bisher Kollisionen in Gewerken zu erkennen und behandeln zu können. Also ja: Helfen wird es, definitiv.

Gleichzeitig müssen wir aber unsere Bauprozesse auch mit einem guten Forderungscontrolling begleiten. So ist es möglich, dass sehr spät im Bauprozess eingebrachte Änderungen in den Anforderungen begrenzt werden. Dazu wird auch die neue RBBau mit ihrem Prozessablauf beitragen.

Wenn Sie ein Auto bestellen, ist Ihnen völlig klar, dass Sie die Konfiguration mit Abschluss des Bestellvorgangs nicht mehr ändern können. Beim Bauen muss das genauso sein. Wir haben es bisher nur häufig anders gehandhabt.

CAFM-NEWS: Sind die BImA-Geschäftsstellen und die Kompetenzzentren Baumanagement des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw), die konkrete Bauprojekte künftig mit BIM abwickeln, auf die Arbeit nach der BIM-Methodik hinsichtlich entsprechender Software und IT-Hardware vorbereitet und sind die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult?

Grande: Da sind wir dabei. Der Masterplan BIM sieht ja ein schrittweises Hochfahren vor. Über die Geschäftsstelle BIM Bundesbau (GS BIM) in Rheinland-Pfalz laufen bereits seit über einem Jahr Schulungen für die Beteiligten aus BImA, Bundeswehr und den Bauverwaltungen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die konkret betroffen sind, sind entsprechend ausgestattet und geschult. Wesentliche Anteile bei BIM lassen sich allerdings nur bedingt schulen – hier sind der Erfahrungsaustausch und Best- Practice-Ansätze wesentlich. Auch dies ist über die GS BIM für den Bundesbau etabliert.

CAFM-NEWS: Und wie schaut es generell bei Bauträgern der öffentlichen Hand bei den Aspekten Soft- und Hardware aus? Ist die öffentliche Hand in Breite überhaupt BIM-fähig?

Grande: Aus meiner Sicht ein ganz klares „ja“ – die größten Hürden bestehen in den Köpfen und im Festhalten an teilweise liebgewonnen Verfahrensweisen. Diese Hürden lassen sich aber überwinden, wie ich in verschiedenen Großprojekten in der Bundeswehr erfreulicherweise feststellen konnte.

CAFM-NEWS: Wie geht es nach der Planungs- und Bauphase weiter: Werden aus den BIM-Daten die notwendigen Informationen für den Betrieb frühzeitig definiert und an das Betreiberteam übergeben?

Grande: Ja, genau so: Über die LOIN-Dokumente bringen wir schon mit Beauftragung der Baumaßnahme die betriebsspezifischen Informationsanforderungen ein und die werden zu definierten Zeitpunkten – auch schon während das Projekt noch läuft – sog. Drop-Points aus dem Projekt in die Betriebsführungssysteme von BImA und Bundeswehr übernommen. Das erfolgt maschinenlesbar, also keine Abtipplösung oder ein „Ich suche in den gelieferten PDF-Dateien“.

CAFM-NEWS: Welche Rolle spielt das nationale Zentrum für die Digitalisierung des Bauwesens in diesem Konstrukt? Und welche Rolle spielen BImA und BMVg?

Zibell: BImA und BMVg stehen für die beiden größten Bauherren und Betreiber von Infrastruktur im Bundeshochbau. Die zu Beginn durch das Bundesbauministerium wahrgenommene Federführung für das Thema BIM im Bundesbau ist mit der Reform Bundesbau auf das BMVg übergegangen und wesentliche inhaltliche Aufgaben auf die BImA.

Seit Herbst 2022 sind BImA und BMVg damit gemeinsam die treibende Kraft für BIM im Bundesbau und gleichzeitig für die Einbindung dieser Ansätze in eine schlüssige Digitalisierung im Bundesbau – inklusive Betrieb. Hierzu wird derzeit die Digitalisierungsstrategie Bundesbau gemeinsam erarbeitet. Sie soll Ende dieses, Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden.

CAFM-NEWS: Neben BImA und BMVg bieten auch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) und das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) mit „BIM Deutschland“ – so ihre Eigenwerbung – „die zentrale Anlaufstelle rund um das Thema BIM“. Ist das eine Ergänzung, eine alternative Anlaufstelle oder ein Konkurrenzunternehmen um die Deutungshoheit von Begriffen und Inhalten mit dem Potenzial für neue Verwirrung?

Grande: Das Nebeneinander des Masterplans BIM und seiner Umsetzung auf der einen und BIM Deutschland, das sich auch als „nationales Zentrum für die Digitalisierung des Bauwesens“ bezeichnet, auf der anderen Seite ist in der Tat verwirrend.

Der Ansatz von BIM Deutschland ist ein anderer und viel größerer. Hier steht das baupolitische Ziel dahinter, weit über den Bundesbau hinaus auch Ländern, Kommunen, Vereinigungen und Betrieben eine Plattform und Unterstützung zu bieten. Der Masterplan BIM hat hingegen konkret die Umsetzung von BIM im Bundesbau zum Ziel.

Zibell: Nach außen ist die Unterscheidung zugegebenermaßen schwierig und auch heute noch nicht wirklich klar. Wir sind seit Ende letzten Jahres hierzu verstärkt mit dem BMWSD im Austausch, um Synergien zu nutzen und die Schnittstellen transparent zu machen. Ich bin zuversichtlich, dass wir innerhalb der kommenden Monate eine Verbesserung erreichen.

CAFM-NEWS: In Anlage A der Umsetzungsstrategie BIM sind viele Begriffe aus bereits etablierten Unterlagen wie ISO 19650-20:2028, VDI 2552 Blatt 7 oder der buildingSmart Schriftenreihe AIA neu und quasi Bund-Deutsch definiert. Hätte es nicht auch ein verbindlicher Verweis auf eine dieser Unterlagen getan, um einen einheitlichen Sprachgebrauch zu gewährleisten?

Zibell: Nein, das war leider nicht möglich. Das liegt daran, dass die Festlegungen des Bundes allen öffentlich und kostenfrei zugänglich sein sollen und müssen. Für einen Großteil der Referenzen gilt dies aber leider nicht. So entstehen dann – in Anlehnung an die jeweils schon vorliegende Definition – entsprechende Bund-Deutsch-Festlegungen.

CAFM-NEWS: Im Masterplan Bundesbau gibt es die Position BIM-Multiplikation. Was verbirgt sich dahinter, was genau leistet sie und wen soll sie adressieren?

Grande: Die BIM-Multiplikation stellt in der Etablierung von BIM im Bundesbau einen wesentlichen Faktor dar: Die BIM-Multiplikatoren werden in jeder beteiligten Organisation eingerichtet und bilden dort sozusagen die Keimzelle für BIM-Wissen und sind gleichzeitig Ansprechpartner und Brücke zu den übrigen Beteiligten – dort wieder über die BIM-Multiplikatoren. Ihre Aufgabe ist es jeweils in ihrer eigenen Organisation BIM-Wissen weiterzutragen, als „Botschafter“ dafür zu werben und für Fragen als erste Ansprechstelle zur Verfügung zu stehen.

In größeren Organisationen wird ein Netzwerk an BIM-Multiplikatoren entstehen, worüber Wissen und Erfahrungswerte sich immer weiter ausbreiten. Quer zu hierarchischen Organisationsstrukturen wollen wir so möglichst schnell eine möglichst breite Basis für BIM schaffen.

CAFM-NEWS: Frau Grande, Herr Zibell, vielen Dank für das informative Gespräch.

Abbildungen: Titel: Saulo Collado/stock.adobe.com; Porträts: privat; Grafik: CAFM-News



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