BIM-Daten in CAFM mit SAP nutzen

Korasoft kann per Web-Service Daten aus BIM-Modellen für das CAFM extrahieren und mit Informationen anderer Quellen anreichern- Bild: Korasoft
Korasoft kann per Web-Service Daten aus BIM-Modellen für das CAFM extrahieren und mit Informationen anderer Quellen anreichern – Bild: Korasoft

CAFM-NEWS – Auch für CAFM in SAP lassen sich Daten aus einem BIM-Modell verwenden. Korasoft hat hierfür ein Verfahren entwickelt, dass in drei Stufen für die Verfügbarkeit der entsprechenden Objekte und ihrer Informationen sorgt. Die Lösung ist webbasiert und kann als Software-as-a-Service von jedem SAP-Anwender via Internet und ohne Installation genutzt werden.

BIM für die Betriebsphase

Je intensiver Building Information Modeling im Rahmen von Bauprozessen eingesetzt wird, desto interessanter wird es auch für die Betriebsphase. Gerade im SAP-Umfeld stehen bereits viele BIM-Modelle zur Verfügung, deren Daten für CAFM nutzbar gemacht werden könnten. Es ist allerdings nicht immer einfach, aus der Fülle der vorhandenen Daten und Objekte genau die zu extrahieren, die tatsächlich im Alltag des Facility Managements relevant sind.

Erleichternd ist, dass für die Instandhaltung in SAP (und in vielen anderen Instandhaltungsprozessen ebenso) in der Regel nur rund 15 Zielattribute aus dem BIM-Modell nötig sind. Vor einem Import wichtig ist ferner, den Kern der benötigten Informationen zu bestimmen, denn ein BIM-Modell kommt leicht auf mehrere 100.000 Objektinformationen, aus denen die Auswahl zu treffen ist. Hilfreich ist hierbei, dass es sogenannte Wiederholteile gibt, also Objekte, die vielfach verbaut werden, wenn auch an unterschiedlichen Orten. Ein Beispiel hierfür wären Brandschutztüren der Feuerwiderstandsklasse T90.

Jede Tür und damit auch jede Brandschutztür hat Attribute, die in sogenannten Property-Sets zusammengefasst werden (das gilt nicht nur für den IFC-Standard). Für unsere Brandschutztür kann das in IFC-Modellen das „Pset_DoorCommon“ mit dem Attribut „FireRating“ und dem Wert „T90“ sein. Diese Attribuierung ist aber mitunter nicht korrekt gepflegt, sodass die Brandschutztür nur mit einer Oberklasse wie z.B. „Door“ geführt wird. Das erschwert die Zuordnung im Mapping der BIM-Daten für die CAFM-Anwendung formal, ist aber mit einfachen Filterfunktionen leicht zu überwinden. Beispielsweise können Filter auch auf den Bautyp der Tür oder verwendete Makronamen gesetzt werden, sodass die Brandschutztüren nun nach diesen gesucht, identifiziert und korrekt eingeordnet werden.

Informationen anreichern

Im folgenden Schritt müssen die Objekte mit weiteren Informationen angereichert werden, die das Facility Management benötigt. Auch diese finden sich, zumindest teilweise, im BIM-Modell. Die Qualität dieser Daten ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum einen unterscheiden sich die Autorensysteme, also die jeweiligen BIM-Programme, in der Güte, in der Attribute an Objekten angefügt werden können. Die grundlegende BIM-Planung wie auch das Wissen des BIM-Managers über CAFM und FM-Prozesse können weitere Einflussgrößen sein.

Während es für die Datenübernahme in das CAFM in manchen Fällen ausreichend sein kann, lediglich ein allgemeines Property-Set des IFC-Types „IFCFlowTerminal“ (bzw. seiner Sub-Typen wie Pset_AirTerminalTypeCommon) für Klimageräte zu nutzen, ist es in den meisten Fällen notwendig, detaillierte Informationen abzufragen und zu übernehmen. Für Facility Management im SAP wesentliche Informationen des BIM-Modells verbergen sich etwa zur Hälfte im „Pset_ManufacturerTypeInformation“. Diese Informationen lassen sich direkt auf das SAP-Objekt „Equipment“ anwenden. So könnte beispielsweise die Seriennummer unserer Brandschutztür direkt gemappt werden.

Wichtig zu wissen ist, dass viele wichtige Informationen im Normalfall nicht als Freitext, sondern als Schlüssel-ID im Facility Management, also auch im SAP geführt werden. Ist ein solcher Wert im BIM-Modell enthalten, beispielsweise für die Zuordnung von Objekten zu einem Wartungsplan, kann auch dieser direkt mit ins SAP überführt werden. Dennoch wird es so sein, dass nicht alle Attribute im BIM-Modell gepflegt sind, so dass trotz der Datenfülle des digitalen Zwillings nachgearbeitet werden muss.

Normen, Regeln, Anwenderdaten ergänzen

Um die verbliebenen Datenlücken zu schließen, hilft Korasoft wiederum mit einem automatisierten Dienst zur Ausprägung von Kundendaten. Damit können beispielsweise Daten mit Bezug zu Regelwerken, zur DIN 276, zum AKS-Schlüssel, zu Omniclasses oder zu AMEV-Daten des Arbeitskreises Maschinen- und Elektrotechnik staatlicher und kommunaler Verwaltungen individuell für jede gefilterte Teilmenge aus einem Model generiert werden. Warum es wichtig ist, auf eine große Spanne von Datenquellen zugreifen und ihre Inhalte korrekt verorten zu können, lässt sich gut am Beispiel der Wartungszyklen verdeutlichen. In Deutschland gibt es hierfür Herstellerangaben, aber auch Forderungen aus einschlägigen Regelwerken, und auch Anwender haben hausinterne Regelungen.

Noch deutlicher wird die Frage nach der „richtigen“ Wartung, wenn ein Facility-Manager ein Objekt zum Beispiel in Mexiko im Eigentum hat, das CAFM-Team in Deutschland tätig ist und das Unternehmen eigene Zyklen etabliert hat. Wie wird hier gewartet? Der Hersteller macht Vorgaben, es gibt deutsche Standards, einen amerikanischen Generalplaner und eine mexikanische Prüfstelle. Welche Wartungsvorgaben, -zyklen und -tätigkeiten sind hier bindend? Und woher kommen diese Informationen? Sicher nicht aus einem BIM-Modell. Allerdings sind im SAP in der Regel schon Wartungszyklen und Arbeitsanleitungen für die planmäßige Instandhaltung hinterlegt; für Anlagenarten, die im Unternehmen bisher nicht gewartet wurden, werden sie ergänzt.

Auch hier lassen sich die fehlenden Angaben entsprechend den anwenderspezifischen Anforderungen automatisiert ermitteln und den jeweiligen Objekten zuweisen. Für einen Wartungsplan hieße das zum Beispiel, eine BIM-generierte Equipment-Teilmenge den in SAP hinterlegten Wartungszyklen und Arbeitsanleitungen zuzuordnen. So erfüllen im Optimalfall die angereicherten Daten aus dem BIM-Modell zu 100% die Anforderungen des Facility Managements an den Datenbestand seiner CAFM-Anwendung in SAP.

Daten in drei Schritten komplettiert

Zusammengefasst heißt das, der Importprozess von BIM-Daten für CAFM in SAP erfolgt über den Webservice in drei Schritten:

  1. Filtern der tatsächlich benötigten Daten aus dem BIM-Modell in Teilmengen gleich zu betreibender Objekte
  2. Identifikation und Übernahme der dort bereits gegebenen Eigenschaften.
  3. Identifikation und Definition der zu ergänzenden Eigenschaften und automatisierte Zuweisung dieser zu den jeweiligen Objekten im SAP

Besonders an diesem Verfahren ist übrigens auch, dass es nicht, wie bei CAFM üblich, ausschließlich in der Kategorie Raum arbeitet und auch nicht, wie bei BIM üblich, in der Kategorie Ebene, also etagenbasiert. Das Werkzeug arbeitet tatsächlich vollständig dreidimensional, so dass zum Beispiel eine Aufzugsanlage nicht in eine Etage eingebunden sein muss, sondern als System organisiert sein kann, dessen Antrieb auf der Kabine sitzen kann, dessen Türen über diverse Etagen verteilt sind und dessen Schienensystem und Schacht das gesamte Gebäude durchziehen.

Sind solche Informationen nicht im BIM-Modell vorhanden, können sie vor der Übernahme ins SAP direkt mit der Korasoft-Lösung und ohne die Autorensoftware des Modells mittels grafischer Zeigeoperationen ergänzt werden. Es ist daher auch für Sonderfälle gewappnet, die in einem klassischen CAFM-System nicht wirklichkeitsgetreu berücksichtigt werden können.



Abbildungen: Korasoft



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