Warum Deutschland kein BIM kann

Stefan Kögl von Siemens Real Estate analysiert im Immobilien Manager die deutschen Defizite bei BIM

Stefan Kögl von Siemens Real Estate analysiert im Immobilien Manager die deutschen Defizite bei BIM



CAFM-NEWS – Die Frage klingt provokativ: Warum kann Deutschland kein BIM? Sie ist der Titel eines Artikels, den kürzlich die Zeitschrift immobilien manager veröffentlicht hat. Geschrieben hat ihn Stefan Kögl. Kennen Sie nicht? Kögl ist bei Siemens Real Estate (SRE) für die weltweiten Bauvorhaben zuständig und hat damit einen umfassenden Einblick in den Status-quo der BIM-Könnerschaft hier und andernorts.

Kögl hat den internationalen Vergleich jeden Tag auf dem Schreibtisch: Er verantwortet weltweit Bautätigkeiten von Siemens Real Estate. Und während 2011 in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina ein 45.000 qm großes Werk für Gasturbinen mit BIM geplant und in elf Monaten schlüsselfertig gebaut war und direkt genutzt werden konnte, war eine ähnliche Halle in Cuxhaven fünf Jahre später zwar ebenso schnell errichtet, aber hielt nur mit Hängen und Würgen die Zeitvorgaben ein. Der Unterschied? In den USA wurde mit BIM gebaut, in Deutschland nutzten das Verfahren nur Stahl- und Haustechnik.

Kögl betrachtet die Unterschiede in den Ländern und hat einige wichtige Aspekte parat: Im angelsächsischen Raum plant und erstellt beispielsweise ein Unternehmen sämtliche Gewerke. Design Build heißt das auf Bau-Deutsch. Hierzulande wird überspitzt gesprochen für jede Schraube ein Spezialist angeheuert. Und die vielen Spezialisten haben viel zu wenig Ahnung von BIM – falls sie das Kürzel überhaupt schon wahrgenommen haben. Von diesen hat keiner das Gesamtgebäude im Blick und noch weniger seine spätere Nutzung.

Auch die Bauunternehmen haben einen ich-zentrierten Fokus. Sie arbeiten, um Kosten zu optimieren, gerne mit Subunternehmen. Und die spätere Nutzung? Da heißt es für manchen: Nach mit die Sintflut. Uns selbst die Bauherren planen eher profit- als nutzenorientiert. Für sie zählt, wie für Banken, der aktuelle Marktwert mehr als die perspektivischen Betriebskosten.

Um aus dem Dilemma heraus zu kommen, hat Kögl nicht nur einige praktische Tipps in seinem Beitrag zusammen gestellt, sondern auch fünf Forderungen, was sich im Lande und zu Gunsten von BIM ändern müsste:

  1. Die HOAI muss geändert werden, damit die für BIM notwendigen Informationen zum entsprechenden Zeitpunkt honoriert werden – nämlich sehr früh im Planungsprozess.
  2. Ebenso gilt es, das Haftungsrecht anzupassen, denn der Planer erstellt das Werk, das er formal schuldet, bei BIM gar nicht allein.
  3. Investoren müssen BIM als Standard erklären, gerade mit Blick auf die Zukunft und die Ziele der vernetzten Stadt, die ohne einheitliche Standards nicht realisierbar ist. Und dann auch keinen so großen Profit abwirft.
  4. Architekten, Bauingenieure und Fachplaner müssen in ihrer Ausbildung auch mit BIM vertraut gemacht werden.
  5. Die Bauherren müssen ihre Entscheidungsprozesse optimieren, um frühzeitig möglichen Ärger identifizieren und ausräumen zu können, statt erst auf der Baustelle zu ändern, was noch zu ändern ist.

Wer genau wissen möchte, was sich Kögl als erfahrener BIM-Praktiker vorstellt, kann den vollständigen Beitrag auf der Website des Immobilien Managers nachlesen.



Abbildungen: Siemens Real Estate



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