Kühlschrank verschickt Werbemails

Timm Heindrich, Netzsieger

Timm Heindrich, Netzsieger

Gastautor Timm Hendrich über die Gefahren der allgegenwärtigen Vernetzung.
Der NSA-Datenskandal ist noch nicht verklungen, schon gibt es neue Horrormeldungen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie: Die Daten von über 16 Millionen E-Mail Konten wurden gestohlen. Angeblich sind mindestens die Hälfte der Konten solche mit einer .de Endung, es sind also über 8 Millionen deutsche Nutzer betroffen. Die Gefahr von Datenmissbrauch und Cyberkriminalität bleibt somit real, Tendenz weiterhin steigend.

Die Kriminalitätsstatistik erreichte im Jahr 2012 mit 64.000 registrierten Fällen einen Höchststand. Die Zahlen für 2013 liegen aktuell noch nicht vor, Experten gehen jedoch von einer weiteren Steigerung aus. Von 2007 bis 2012 haben Online-Straftaten um besorgniserregende 87 Prozent zugenommen. Die alte Redensart „Gelegenheit macht Diebe“ dürfte die massive Zunahme der online Kriminalität erklären. Denn die digitale Vernetzung ist mit Notebook, Smartphone und Tablet in alle Bereiche unseres Lebens vorgedrungen. Von morgens bis abends sind wir vernetzt und stets online. Somit sind auch unsere Bank, Kreditkarten oder Firmendaten stets online.

Die Vernetzung nimmt immer weiter zu

Wer nun denkt, mit Tablet und Smartphone ist die Spitze der Vernetzung erreicht, der irrt. So kann zum Beispiel die Datenbrille „Google Glasses“immer alles sehen und hören, was ihr Träger den Tag über tut. Auch die Bereiche der Vernetzung werden immer weiter zunehmen. Digitale Haussteuerung ist schon seit Jahren ein Thema. Jetzt hat Google die Haustechnikfirma Nest Labs für 3,2 Milliarden US-Dollar gekauft. Die Überwachung könnte damit endgültig in Büro, Firma oder Zuhause angekommen sein.

Kühlschrank verschickt Werbemails

Eine Meldung, die Anfang des Jahres über die Ticker lief, zeigt, wie real die Gefahr ist. Die US-amerikanische Sicherheitsfirma Proofpoint hat ein Botnetz entdeckt, dass zu einem Viertel aus smarten Haushaltsgeräten und smarter Unterhaltungselektronik bestand. Dieses Botnetz versendete zwischen dem 23. Dezember 2013 und dem 6. Januar 2014 über 750.000 Spam-E-Mails. Beteiligt waren neben herkömmlichen Computern auch Router, Multimedia Player, Fernseher und mindestens ein vernetzter Kühlschrank.

Vernetzte Geräte überall

Waschmaschinen, Thermostate oder Autos – alle senden und empfangen mittlerweile Statusmeldungen und weitere Informationen. Die Anzahl der vernetzen Geräten dürfte in den nächsten Jahren sprunghaft zunehmen. Entsprechend werden diese Geräte zu immer lohnenderen Zielen von Cyberkriminellen, da sie häufig nur unzureichend gegen Angriffe gesichert. Läuft auf 95 Prozent aller Windows Rechner mittlerweile ein Antivirenprogramm oder eine Firewall, dürfte dies bei einem Kühlschank nicht der Fall sein. Hier stehen vor allen Dingen die Hersteller in der Schuld. Sie müssen dafür sorgen, dass ihre Geräte nicht gehackt werden können und so zum Spielzeug von Cyberkriminellen werden.

Man muss sich der Gefahr bewusst sein

Egal ob Privatmann oder Firma, egal ob Haushaltssteuerung oder Internet im Auto, der Nutzer sollte sich der Gefahren bewusst sein. Zwar bietet die schöne neue Technik oft einen großen Arbeits-, Zeit- und Komfortgewinn. Dieser sollte aber nicht mit einer erhöhten digitalen Gefahr einhergehen. Nutzer sollten sich daher, egal in welchem Bereich, die Gefahren bewusst machen und Sicherheitsfunktionen mit in ihre Kaufentscheidung einbeziehen. Und das gilt um so mehr, je höher der Anteil hochsensibler Daten ist, der im Netzwerk lagert oder über das Netzwerk erreichbar ist.

Timm Hendrich arbeitet bei Netzsieger

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