Drum prüfe, wer sich länger bindet: Bilanzen von CAFM-Herstellern

Wer CAFM-Software einführen will, sollte sich auch die Bilanzen der Anbieter genau anschauen

Wer CAFM-Software einführen will, sollte sich auch die Bilanzen der Anbieter genau anschauen



(cafm-news) – Drum prüfe, wer sich ewig bindet, heißt es mit Blick auf die Ehe. Nun ist die Anschaffung eines CAFM-Systems meist von vornherein keine lebenslange Bindung, aber genau schauen sollten Kunden dennoch, mit wem sie sich für eine Weile zusammentun wollen. Die Analyse verschiedener CAFM-Hersteller fordert nämlich Interessantes zu Tage.


Wolf oder Beute?

Die Prospekte sind informativ und gut gestaltet. Die Verkäufer heißen Kundenberater, sind freundlich und professionell. Die Software ist modern und übersichtlich. Doch all das sagt wenig über den Kern des Unternehmens aus, von dem die Software kommt. Steht es finanziell auf sicherem Grund? Ist seine Führungsmannschaft stabil? Oder liegen irgendwo ein paar Leichen im Keller?

Wer sich einen ersten Überblick über ein Unternehmen machen möchte, hat es relativ leicht, denn in Deutschland sind GmbHs und AGs verpflichtet, regelmäßig wesentliche Geschäftszahlen zu veröffentlichen. Zudem müssen sie sich im Handelsregister eintragen. Und diese Daten lassen sich online recherchieren.


Handelsregister

Eine erste Anlaufstelle ist das Handelsregister. Hier finden sich Hintergrundinformationen zu Gesellschaftskapital Geschäftsführern und Änderungen im Unternehmen, von Umzügen über Wechseln von Geschäftsführern und Prokuristen, Bevollmächtigungen von Geschäftsführer und auch zu Insolvenzen.

Das Handelsregister hält eine Normale Suche und eine Erweiterte Suche bereit – in der Regel genügt die Normale Suche. Gewappnet mit einigen Basis-Daten, die in das Website-Impressum einer AG oder GmbH gehören, ist jedes Unternehmen schnell gefunden:

  • Registerart
  • Registernummer
  • Registergericht
  • Firmenname

In der Erweiterten Suche kann die Ergebnisliste durch Angabe von Bundesland, Sitz, Postleitzahl, Ort und einigen weiteren Parametern eingeschränkt oder spezifiziert werden.

Ein Teil der Informationen im Handelsregister ist kostenlos. Hierzu gehören die Dokumentenansicht, die Angaben zu den Unternehmensträgern sowie die Veröffentlichungen, die Aufschluss über Eigentumsverhältnisse und Führung des Unternehmens ermöglichen.

Um die Daten hinter den Punkten Aktueller Abdruck, Chronologischer Abdruck und Historischer Abdruck einsehen zu können, muss sich jeder Nutzer erst registrieren und hier auch seine Bankverbindung angeben. Denn die Informationen hinter dem Log-in sind kostenpflichtig, sogar für Journalisten und – mit einer freundlicheren Gebührenstaffel – auch für Kommunen


Unternehmensregister

Verschiedene Finanzdaten zu Unternehmen hält das Unternehmensregister bereit. Es ersetzt den bis vor einigen Jahren noch aktiven Elektronischen Bundesanzeiger, ist aber weiterhin ein Angebot des Bundesanzeiger Verlags und wie das Handelsregister zum Teil kostenlos.

Auch das Unternehmensregister führt schnell zu Ergebnissen. Hierzu genügt es, die Firmierung korrekt in die Suchmaske einzutragen und anschließend den Unternehmenseintrag auszuwählen. Dieses wird mit Basisdaten und seinen Veröffentlichungen in einer Tabelle aufgeführt:

Oben und grau hinterlegt finden sich Firmen-Informationen, unter anderem auch ein Link zum Registerauszug des Handelsregisters. Dem folgenden Fenster fehlt aber der Navigationspunkt zu Veröffentlichungen, die den wichtigsten Teil des Handelsregister-Auszugs darstellen. Unter der grauen Zeile zum Unternehmen finden sich in der Tabelle weiß hinterlegt die Jahresabschlüsse, jeweils eine Zeile für einen Abschluss.

Damit die Daten nicht automatisch abgerufen werden können, ist bei jeder Abfrage ein Captcha auszufüllen, es sind also die in einer Grafik eingebauten Zahlen und Buchstaben korrekt in ein separates Fenster einzugeben. Erst dann gibt es den Jahresabschluss eines Jahres zu sehen. Für jeden weiteren ist wiederum das Captcha-Prozedere zu durchlaufen.

Mehrere Jahresabschlüsse anzuschauen ist übrigens sinnvoll, weil sich so die Geschäftsentwicklung besser beurteilen lässt. Gut ist auch, die Texte zu lesen, die der Tabelle mit den Geschäftszahlen folgen. Hier verbergen sich manche Details, die ein Unternehmen besonders interessant werden lassen – in welche Richtung auf immer.

Ob AG oder GmbH – ein Teil der CAFM-Branche ist durchaus erfinderisch, wenn es um Bilanzen geht, und nach ein bisschen Suchen finden sich spannende Details. Hier ein paar mögliche Ansätze, die zu eigenen Recherchen ermuntern mögen:


Mehr Haben als Besitz

Um ihren Wertigkeit auf der Habenseite zu verbessern, können Unternehmen ihre Software als Betriebskapital aktivieren. Das sieht in der Bilanz gut aus, hat aber für Kreditoren wenig Relevanz und würde von einer Bank vermutlich auf der Haben-Seite gleich wieder abgezogen.

Eine Variante hiervon ist die sogenannte selbst geschaffene Software für Dritte, also Entwicklungsaufwände für den Fremdbedarf. Hiermit greifen einige Unternehmen in die steuerrechtlich zulässige Trickkiste und aktivieren selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände und verbessern so ihr Eigenkapital. Bis 2009 war das explizit verboten, inzwischen gelten anderer Gesetze – in diesem Fall das HGB § 248 Absatz 2. Ist ein Unternehmen allerdings stark im Ausland engagiert, ist diese Handlungsweise keine Option, sondern ein Muss.

Der Verschulungsgrad im bilanzierten Eigenkapital stellt aber für potentielle Kunden mit dem Ziel einer langfristigen Zusammenarbeit immer einen wichtigen Indikator dar. Diese sollten beim Lesen einer Unternehmens-Bilanz daher immer ein waches Auge darauf haben, ob, wann und in welcher Höhe eine solche Aktivierung vorgenommen wurde, um das tatsächliche Eigenkapital und damit den Verschulungsgrad des potentiellen Partners beurteilen zu können.


Die Insolvenz-Surfer

Interessant wird es auch, wenn Unternehmen über Jahre hohen Schuldenberge vor sich her schieben, also in mehreren Bilanzen in Folge Millionenbeträge als Betriebsverlust ausweisen, die durch Bürgschaften nicht genannter Dritter ausgeglichen werden, so dass die formale bestehende Insolvenz abgewendet wird. Das riecht nach Steuersparmodell, und ob solche Bilanztricks vertrauenswürdig machen, bleibt offen.

Alternativ kann es allerdings auch sein, dass ein Unternehmen tatsächlich gegen eine Insolvenz ankämpft – sei es, weil Entwicklungskosten hoch sind und vorfinanziert werden, oder sei es, weil der Laden gerade nicht läuft. In einer solchen Situation kann nur durch massive Kredite von Gesellschaftern, von ungenannten Dritten, durch die Verpfändung von Lebensversicherungen oder durch voll ausgeschöpfte Kreditlinien bei der Bank eine Insolvenz abgewendet werden. Solch eine Finanzpolitik kann durchaus ihre Berechtigung haben, wenn so das Unternehmen langfristig wieder erfolgreich gemacht wird.

Auch möglich ist, dass sich Unternehmen eine verschachtelte Struktur gegeben, die Gesellschafter an weiteren Unternehmen beteiligt sind, die wiederum mit dem CAFM-Anbieter verbunden sind… – es gibt zahlreiche Wege, in und mit Bilanzen zu tricksen. Daher sind die Auszüge aus Handelsregister und Unternehmensregister oft nur der erste Schritt.


Tiefer graben

Wer tiefer graben möchte, wird auf kostenpflichtige Angebote zurück greifen müssen. In Deutschland gibt es für umfangreichere Informationen zu Unternehmen die beiden Anbieter Bürgel, die halbjährlich eine Studie über die Insolvenzen in Deutschland veröffentlichen, und Creditreform. Letztere geben seit diesem Jahr auch den Bonitätsatlas deutscher Unternehmen heraus. Beide sollten also auch wissen, wie es um einzelne Firmen steht.

Als Alternative kann man auf der Suche nach potenten Ratgebern auch den Blick über den Grenzzaun in die Schweiz werfen. Dort liefert Moneyhouse Informationen zu Unternehmen, auch zu solchen in Deutschland. Diese Auskünfte sind ebenfalls kostenpflichtig, in der freien Basismitgliedschaft sind es 89 CHF netto pro Report.


Vier Augen sehen mehr

Wer sich bei der Analyse der Bilanzen mit Fachwissen aus seiner Buchhaltung und/oder eines Steuerberaters oder Wirtschaftsprüfer verstärkt, wird es sicher leicht haben, Unternehmen zu finden, die nicht nur bei den technischen Anforderungen die eigenen Wünsche und Vorstellungen erfüllen. Allen anderen sei viel Erfolg gewünscht. Garantiert ist er nicht.

Welche Tricks kennen Sie, mit denen Unternehmen ihre Bilanzen modifizieren? Verraten Sie es uns gerne im Kommentarfeld unten!





Abbildungen: Screenshot aus Unternehmensregister.de, anonymisiert von CAFM-News



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