Die große Zerstörung – Neues Buch anylsiert digitalen Umbruch

Anderas Barthelmess analysiert in "Die große Zerstörung" die Perspektiven in Zeiten von GAFA und KI
Anderas Barthelmess analysiert in „Die große Zerstörung“ die Perspektiven Deutschlands in Zeiten von GAFA und KI

 

CAFM-NEWS – Ist die digitale Dystopie nur noch einen Hauch von der Gegenwart entfernt? Es kommt darauf an. Das ist die Quintessenz des neuen Buches „Die große Zerstörung – Was der digitale Bruch mit unserem Leben macht“, dass der Autor Andreas Barthelmess dieser Tage veröffentlicht hat.

Werden wir demnächst von Algorithmen und Maschinen ersetzt? Übernehmen überstaatliche Unternehmen die Steuerung der Völker? Will man Barthelmess glauben, kommt es darauf an. Nämlich darauf, die Situation korrekt zu analysieren und die richtigen politischen Entscheidungen zu treffen. Welche das sind?

Barthelmes, selber IT-Unternehmen, analysiert die derzeitige Entwicklung und prognostiziert deren weiteren Verlauf einschließlich der strategischen Kalküls von digitalen Größen wie GAFA (Google, Amazon, Facebook, Apple) als amerikanisch und Unternehmen wie Alibaba und TikTok als chinesische Datenkraken.

Zwischen diesen beiden Polen macht Barthelmess auch die Achse des digitalen Bösen aus: Hier wie dort werden Nutzerdaten in schier unglaublicher fülle gesammelt. Beiträge und Posts werden nach eigenen Regeln überstaatlich (USA) oder politisch motiviert (China) kuratiert. Die Einführung der eigenen Währung Libra durch Facebook würde das Unternehmen final in eine quasi-staatliche Institution überführen – all das ist nicht wünschenswert. Da hat Barthelmess recht.

Ob die Zerschlagung von Giganten wie Google-Mutter Alphabet oder Portalsammler Facebook aber so einfach gelingen wird, ist fraglich – auch die US-Administration wird ein Interesse am Erhalt „ihrer“ Datenkumulatoren haben. Wissen ist schließlich auch im 21. Jahrhundert  (Rüstungs-)Macht.

Auch wenn die Analyse Barthelmess gerade im Umfeld seiner Instagram-Analyse das ganze etwas polemisch und ausschweifend wird, ist sein Gedankengang fundiert, umfassend und sehr nachvollziehbar. Das verleiht seinen Schlussfolgerungen eine gewisse Kraft, wenn er empfiehlt, was Deutschland zügig auf die Gleise bringen sollte:

  • Ein Mehrheitswahlrecht einführen
  • Venture Capital auf europäischer Ebene für europäische Unternehmen bereitstellen und die Teilhabe den Bürgern zugänglich machen
  • Einen Zukunftshaushalt anlegen und investieren in

Der Zukunftshaushalt investiert in drei Felder: In Schulen und Bildung, in Deep-Tech Forschung wie KI, Bio-Tech, Health-Tech und Quanten-Computing und in einen Europa Vision Fond. Dieser soll ein Bold Europe schaffen, ein kräftiges Europa, und kann als Zusammenschluss von finanziell starken Ländern wie Frankreich, den Benelux-Staaten und anderen starken Eurozonen-Ländern unmittelbar agieren. Ziele müssen sein ein ständiger Sitz im UN-Sicherheitsrat, eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und Tech-Investments in Afrika anzubieten, um ein Alternativ-Angebot und einen Gegenpol zur chinesischen Dominanz auf dem Kontinent zu schaffen.

Daneben geht es  darum, einen globalen Ordnungsrahmen zu schaffen, Europa als Gegengewicht zu China und den USA aufzustellen, nachhaltig in Bildung zu investieren, GAFA- und andere Unternehmen europaweit konsequent zu besteuern und schließlich darum, die IT-Industrie massiv zu fördern und auszubauen, damit die klugen Köpfe Europas hier bleiben -– Stichwort Brain-Drain.

Wenn diese Schritte nicht gelingen, läuft nicht nur Europa Gefahr, in eine digitale Oligarchie zu steuern, die von Politikern und damit von den betroffenen Bürgern selbst beeinflusst werden kann. Ob das allerdings so stimmt?

Sicher scheint zumindest eines: Wenn wir so weiter machen wie bisher, werden wir es sehen. Wenn wir zupacken, können wir es steuern. Letzteres scheint attraktiver.

 

Barthelmess, Andreas: Die große Zerstörung. Was der digitale Bruch mit unserem Leben macht. 256 S., Dudenverlag Berlin 2020,

  • als gebundenes Buch: ISBN 978-3-411-74733-7, 18,00 Euro
  • als E-Book: ISBN 978-3-411-91312-1, 13,99 Euro

 

 

Abbildungen: Dudenverlag



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