Chinas Politik: Thomas Reichart – Das Feuer des Drachen

In seinem neuen Buch Das Feuer des Drachen liefert Thomas Reichart gebündelt ernüchternde Einblicke in Chinas Politik und Vertrauenswürdigkeit
In seinem neuen Buch Das Feuer des Drachen liefert Thomas Reichart gebündelt ernüchternde Einblicke in Chinas Politik und Vertrauenswürdigkeit

 

CAFM-NEWS – Wie ist das denn jetzt mit China? Ist das Land der Partner, der es beteuert zu sein? Oder ist es ein Wettbewerber, wenn nicht gar ein Gegner, vor dem man sich tunlichst in Acht nehmen sollte – wirtschaftlich wie politisch? Thomas Reichart will mit seinem neuen Buch Das Feuer des Drachen. Was Chinesen antreibt, wo sie dominieren und warum sie über uns lachen eine Antwort hierauf geben. 

Reichart leitete von 2014 bis 2019 das Korrespondenten-Büro des ZDF in Peking. Er hat China hautnah erlebt, hat die Verschiebung der Macht und den Shift hin zum totalitären Überwachungssaat hautnah miterlebt. Er hat die Auswirkungen und Folgen der neuen Seidenstraßen-Politik ausführlich recherchiert, den Ausbau von Militär und Macht in den Anrainerländern beobachtet und die Unterdrückung der Demokratie in Hongkong – immerhin vertraglich bis 2049 festgeschrieben – gesehen.

In seinem Buch versucht Reichart, das Leben in China vom Leben der Chinesen zumindest ein Stück weit zu trennen. Schließlich sind die Regeln der KP für viele Chinesen nur ein Serviervorschlag für die Ausgestaltung ihrer Wirklichkeit. Doch die Partei, die sich als Allmacht das Staates versteht, zieht sei Xi Jinpings Machtantritt die Schlinge immer enger. Und Xi hat große Pläne:

Schon 2017 hat er dem Volkskongress den chinesischen Machtanspruch verkündet. Im Kern war es eine unverhohlene Drohung, Interessen auch militärisch durchzusetzen. Beispielsweise gegen Taiwan, das China als Provinz betrachtet.

Still und leise hat China parallel in vielen UN-Bereichen die Sekretäre gestellt. Und mit Blick auf das kommende 5G-Datennetz drohen die Chinesen einfach mit wirtschaftlichen Folgen, wenn der chinesische Anbieter Huawei aus dem Verfahren ausgeschlossen wird. Denn das ist zu erwägen – Stichwort Spionage.

Huawei betont natürlich, man sei ein Unternehme wie jedes andere und der chinesische Staat habe keinen Zugriff auf Daten. Dass dasselbe Unternehmen mit dem chinesischen Geheimdienst in der vorgeblich autonomen Provinz Xinjiang die Uiguren brutal unterdrückt und zu diesem Zweck ein hocheffizientes Überwachungssystem mit Kameras, automatischer Gesichtserkennung, Big Data und KI zu deren Zusammenführung und Auswertung betreibt – darüber fällt kein Wort.

Bekannt wurde zum Glück, dass chinesische Diplomaten auch zur Causa Huawei bei Mitarbeitern des auswärtigen Amtes vorstellig wurden, um ihre Lesart der Wahrheit zu indoktrinieren. Ebenso, dass sich der CDU-Politiker und Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich in der Interessengruppe Deutsch-Chinesische Brücke engagiert, in dessen Vorstand auch Vertreter von Huawei und Alibaba, dem Chinesischen ebay, sind. Auch hier können sich Türen öffnen, durch die China versucht, die hiesige Politik für eigene Zwecke zu beeinflussen – und diese Zwecke werden uns nicht gut tun:

Das zeigt zum Beispiel  die neue Seidenstraße, wie China sein politisches wie wirtschaftliches Expansionsprojekt nennt. Die Route legen die Chinesen fest, sie stellen den zumeist armen, zumindest aber ärmeren Transitländern Kredite zur Verfügung, mit denen chinesische Unternehmen bezahlt werden, die – wenn plötzlich nicht gezahlt werden kann – das Gebaute übernehmen: Häfen, Flughäfen,  Eisenbahntrassen, also die wertvolle Infrastruktur. Und Endziel der neuen Seidenstraße ist das bröselige Duisburg. Fürchtet sich immer noch niemand? Und hat keiner einen Plan, wie Deutschland und Europa sich und ihr Wissen und Können schützen und wirtschaftlich endlich wieder aufschließen?

Zumal China als Wirtschaftspartner sehr sichtbar kein Partner ist, sondern ein Egoist. Nach wie vor nutzt es den offenen westlichen Markt, um Profite zu machen, während der eigene Markt noch stärker abgeschottet ist, als noch vor zehn Jahren. Westliche Unternehmen werden systematisch ausgesperrt oder gezwungen, vor Ort mit chinesischen Partnern zu gründen, denen sie ihre Fähigkeiten offen legen müssen. Eine handvoll Jahre später gibt es dann die Produkte auch von einem rein chinesischen Unternehmen. Der Teutone hat seine Schuldigkeit getan… – und noch freiwillig das Tafelsilber geliefert, mit dem er gefrühstückt wird.

Auch in Deutschland können wir uns inzwischen anschauen, was Managt by China heißt. Kuka, der Augsburger Roboterhersteller, steht nach der Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen bei weitem nicht mehr so solide da, wie vor der Übernahme. Die einstigen Manager, die – gleichfalls laut Vertrag – hätten bleiben sollen, sind längst durch Chinesen ersetzt. Und die sind es gewöhnt, von oben durchzuregieren – was riskant ist, wenn man vom Geschäft keine Ahnung hat Oder von der Technologie. Dem Markt. Der örtlichen Mentalität. Es sei denn, es geht nur um Technologietransfer.

Vieles, auf das Reichart verweist, ist eigentlich schon bekannt. Sein Buch bündelt die Themen und führt viele Beispiele an, um chinesische Agilität und Brutalität mit der teutonischen und europäischen Behäbigkeit zu vergleichen, die den chinesischen Avancen mit Geld und Technologie nichts entgegensetzt und oft auch nicht entgegen zu setzen hat.

Der Plauderton ist die Stärke und zugleich die Schwäche des Buches, denn Reicharts Blick liegt zu sehr in der Sphäre des Erlebten. Vorschlägen für konkrete Schritte hätte er gerne ausführlicher beschreiben  können. Schön wären auch einige Gegenüberstellungen nach dem journalistischen Credo „Zahlen sind Fakten, Daten sind Fakten“, allein schon um die Diskrepanzen klarer und die Chancen deutlicher zu machen. All das hätten sicher erhöht, das der Titel ankündigt:

Das Feuer, das uns offenbar unter dem Hintern gemacht werden muss, wollen wir nicht das werden, was manche schon jetzt befürchten: Wirtschaftlich wie technologisch ein Vasallenstaat oder etwas ähnlich Unerfreuliches zum Wohlgefallen fernöstlicher KP-Kader.

Thomas Reichart: Das Feuer des Drachen. Was Chinesen antreibt, wo sie dominieren und warum sie über uns lachen. 270 Seiten, gebunden; dtv; ISBN 978-3-423-28255-0; 20 Euro; zu finden unter anderem bei Amazon.

 

Abbildungen: dtv



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