CAFM-Zahl der Woche: 1788

Die CAFM-Zahl der Woche ist die 1788 für die Anzahl der Beispiele für gendergerechte Formulierungen im entsprechenden Sprach-Leitfaden der Stadt Bonn
Die CAFM-Zahl der Woche ist die 1788 für die Anzahl der Beispiele für gendergerechte Formulierungen im entsprechenden Sprach-Leitfaden der Stadt Bonn

CAFM-NEWS – Die CAFM-Zahl dieser Woche ist die 1788. Nicht für das Jahr 1788 und den damaligen Stand des CAFM, sondern für die 1788 Vorschläge für gendergerechte Sprache, die die Stadt Bonn in einem Leitfaden zusammengetragen hat. Was in der engagierten Entschiedenheit dann doch wieder etwas von 1788 haben könnte. Oder?

Natürlich ist das immer eine Frage der Anschauung. Und des sozialen Umfelds. Wird bei Ihnen beispielsweise gegendert oder gar ge-woked? Dann könnte es schwierig werden, nicht bloß beim Gendern. Und schon das ist schwer genug. Denn: Wie geht das im Deutschen sprachlich richtig?

  • Mit großem I? – Facility ManagerInnen
  • Mit Bindestrich? – Facility Manager-innen
  • Mit Querstrich? – Facility Manager/innen
  • Mit Sternchen? – Facility Manager*innen
  • Mit Doppelpunkt? – Facility Manager:innen
  • Mit Unterstrich? – Facility Manager_innen
  • Mit Partizip? – Facility Managende

Das Partizip hat immerhin den Vorteil, das es völlig unpersönlich ist, so dass sich auch Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Teil der Bevölkerung zuordnen mögen oder können, eine verbale Heimat finden. (Hätte ich jetzt eigentlich „weiblich“ vor „männlich“ schreiben müssen, um kein Chauvi zu sein? Und dann ist da ja auch noch die Farbgebung der illustrierende Zahl des Textes – hätte das Rot links stehen müssen? Oder besser gleich oben? Es ist so schwierig, gerecht zu handeln…)

Schwierig ist auch die Formulierung mit Adjektiven. Die unterliegen im Deutschen leider der KNG-Kongreuenz, sie müssen also in Kasus, Numerus und Genus ihrem Bezugswort entsprechen. Soll heißen: gleiche Anzahl (Einzahl/Singular oder Mehrzahl/Plural) gleicher Fall (Nominativ, Genitiv, Dativ oder Akkusativ) und gleiches Geschlecht (sächlich oder weiblich oder männlich).

Das ist schlecht, wenn eine Person präziser beschrieben werden soll, zum Beispiel die erfolgreiche Facility Managerin/der erfolgreiche Facility Manager. Außer man gendersternchent so etwas wie „die erfolgreiche Facility Manager*in“ zusammen. Ob das die Lösung ist?

Denn spätestens, wenn es mit Aufzählungen los geht, verliert eine ganz gewiss schnell: Die Übersicht. LeserInnen, Programmierer*innen, Projektmanager/innen, Administrator-innen, Anwender:innen, Geschäftsführer_innen – alle sind irritiert. Wobei das Irritations-Potenzial je nach gewähltem Schriftzeichen noch variiert:

  • LeserInnen, ProgrammiererInnen, ProjektmanagerInnen, AdministratorInnen, AnwenderInnen, GeschäftsführerInnen
  • Leser*innen, Programmierer*innen, Projektmanager*innen, Administrator*innen, Anwender*innen, Geschäftsführer*innen
  • Leser/innen, Programmierer/innen, Projektmanager/innen, Administrator/innen, Anwender/innen, Geschäftsführer/innen
  • Leser-innen, Programmierer-innen,Projektmanager-innen, Administrator-innen, Anwender-innen, Geschäftsführer-innen
  • Leser:innen, Programmierer:innen,Projektmanager:innen, Administrator:innen, Anwender:innen, Geschäftsführer:innen
  • Leser_innen, Programmierer_innen,Projektmanager_innen, Administrator_innen, Anwender_innen, Geschäftsführer_innen

Am ehesten bin ich ja zur Verwendung des „:“ geneigt, der wenigstens nicht den Wortfluss zerstückelt. Oder doch lieber die unpersönlichen Partizipien?

  • Lesende, Programmierende, Projektmanagende, Administrierende, Anwendende, Geschäftsführende

Hm…

James Brown würde hierzu vermutlich intonieren „It’s A Man’s World“, um gleich darauf zu ergänzen „but it’s nothing without a woman or a girl“. Wie wahr. Nur sprachlich ist das schwer zu fassen. Zumindest im Deutschen.

Und in den USA, der Heimat von woke? Da sagte ein ehemaliger US-Präsident über Angela Merkel

She is the greatest politician in the World.

und die gender-sensiblen Übersetzer*I_:-/innen übertrugen es prompt mit

Sie ist die größte Politikerin der Welt.

politisch korrekt ins Deutsche. Leider erfassten sie deswegen nicht die tatsächliche Bedeutung und schrumpften Merkel auf das Format ideologiegesteuerter WertverbesserI/-:_*innen. Denn Obama ging es nicht um Mann oder Frau, sondern um Menschen, die Politik treiben – also darum, Merkel an die Spitze aller Staatenlenker:-/*I_innen zu setzen. Und das führt direkt zum Anfangsproblem:

Im Deutschen gibt es oft kein passendes Wort, um gendergerecht, lesbar und verständlich das Gemeinte auszudrücken, wenn nicht eine männliche Form auch als neutrale allgemeine Form verwendet werden darf. Was können wir da bloß tun?

Vermutlich müssen wir Deutsch noch mal neu erfinden…

 

 

PS – Hier finden Sie den Leitfaden der Stadt Bonn zur gendergerechten Sprache.

 



Ihre CAFM-Zahl
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Abbildungen: CAFM-News




Die CAFM-News präsentieren die Zahl der Woche in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Technisches Facility Management am Fachbereich Duales Studium der HWR Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin und ihrem Dozenten Ralf Rieckhof, im Hauptberuf Consultant bei pit-cup




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2 Antworten

  1. Interessanter Ansatz:
    _ Leserys
    _ Programmiererys
    _ Projektmanagerys
    _ Administratorys
    _ Anwenderys
    _ Geschäftsführerys
    _ Facility Managerys
    _ Journalistys
    Was wohl die übrigen Leserys und Sprecherys dazu denken mögen…?

  2. Der M sagt:

    Besser entgendern!

    Finde ich — wenn auch nicht ganz ernstgemeint — von der Sprachentwicklung her sehr gut gedacht ;-)

    https://www.stern.de/panorama/gesellschaft/gendern-mit-y–sprachforscher-schlaegt-aerzty-statt-aerzt-innen-vor-30467248.html

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