Loy & Hutz: Stille ist nicht Stillstand

Fahne hoch gehalten: Der Messestand von Loy & Hutz – hier auf der INservFM 2017 – war in den vergangenen Jahren eine Konstante

Fahne hoch gehalten: Der Messestand von Loy & Hutz – hier auf der INservFM 2017 – war in den vergangenen Jahren eine optische Konstante und verdeckte ein wenig die Veränderungen im Hintergrund



CAFM-NEWS – Bis vor einigen Jahren war Loy & Hutz noch flächendeckend in den Medien präsent. Mit dem Fortgang von Eyke Rosemann als Marketingleiter und dem Rückzug von Rainer Hutz aus dem operativen Geschäft wurde es still um die Freiburger Software-Schmiede.

Um ein bisschen mehr zum aktuellen Stand bei Loy & Hutz zu erfahren, haben wir ein Gespräch mit Eric Drach geführt, seit 17 Jahren bei Loy & Hutz tätig und tief in das Unternehmen integriert.




CAFM-News: Es ist die letzten Jahre still geworden um Loy & Hutz. Wie geht es dem Unternehmen aktuell?

Eric Drach: Stille heißt nicht Stillstand, wir sind sehr zufrieden. In den letzten Jahren haben wir uns aktiv weiterentwickelt und unsere neue Software-Generation waveware bei mehr als 200 Kunden erfolgreich implementiert. Dank waveware und der in ihr zur Verfügung stehenden Werkzeuge wächst unsere Produktpalette sowie deren Leistungsfähigkeit jeden Tag.




CAFM-News: Die plötzliche Stille kam mehr oder minder zeitgleich zum Wechsel auf wave Facilities. Hat die neue Software so viele Probleme gemacht?

Eric Drach: Jeder Softwarehersteller steht früher oder später vor der Frage, ob er seine in die Jahre gekommene Software nur retuschiert oder anhand moderner Anforderungen neu entwickelt. Wir bei Loy & Hutz haben uns für den letzten, natürlich schwierigeren Weg entschieden, können nun aber unseren Kunden eine sehr solide und zukunftsfähige Software liefern.

Natürlich hat jede neue Software zunächst Kinderkrankheiten. Bereits 2012 unternahmen wir die erste Installation beim Internationalen Bund, dann folgten in kurzer Zeit umfangreiche Installationen unter anderem bei BMW, beim Krankenanstalten-Verbund Wien und bei der Landeshauptstadt Düsseldorf – alles große Projekte mit vielen Modulen. An manchen Stellen zeigten sich Stolpersteine, die wir in guter Kooperation mit unseren Kunden beseitigt haben, sodass wave Facilities längst stabil ist.




CAFM-News: Wie zeigt sich diese Stabilität?

Eric Drach: Unsere Projektmanager können in Ausschreibungen mittlerweile Standardlösungen bieten, die bereits den Großteil der gewünschten Anforderungen erfüllen. Fehlende Funktionen, individuelle Wünsche usw. können dank der waveware Technologie schnell und einfach realisiert werden. Daraus resultieren verkürzte Projektlaufzeiten, von denen natürlich unsere Kunden profitieren.




CAFM-News: Wie steht es um visual FM?

Eric Drach: Wir haben natürlich weiterhin Kunden, die noch mit visual FM arbeiten. Wir entwickeln unsere alte Softwareversion zwar nicht mehr weiter, liefern jedoch so lange Patches, wie die aktuelle Windows-Plattform die Software unterstützt. Aus diesem Grund werden die Systeme sicher noch zwei, drei Jahre aktiv bleiben.




CAFM-News: Der Wechsel auf eine neue Software-Generation ist ein teures Unterfangen und mancher Kunde überlegt vielleicht, gleich ganz den Anbieter zu wechseln. Wie ist die Situation bei wave Facilities?

Eric Drach: Wir sind sicher, dass die Umstellung von visual FM auf wave Facilities – und damit auf eine komplett neue Software-Generation – für uns zwar kein leichter, aber der richtige Schritt war. Dies sehen auch unsere Kunden so, für die ein Umstieg durchaus ein gewisser Aufwand bedeuten kann, je nachdem wie stark visual FM individualisiert war. Bereits visual FM war ja sehr flexibel.

In der Regel nehmen unsere Kunden dies gern in Kauf, denn sie erhalten ja kein einfaches Software-Update, sondern ein neues und modernes Werkzeug, das ganz neue Möglichkeiten bietet.

Zudem ist eine solche Umstellung die ideale Gelegenheit, bestehende Prozesse zu überdenken, ggf. zu optimieren. Einige unserer Kunden, wie z. B. das Klinikum Kempten, haben die Migration auf wave Facilities übrigens in Eigenregie durchgeführt. Das funktioniert gut und hilft, Kosten zu sparen.

Unsere Kunden erhalten mit wave Facilities eine der modernsten Softwarelösungen im Markt, welche sehr gut angenommen wird. Dies bestätigt auch ein Blick auf unsere aktuelle Referenzliste, die eine steigende dreistellige Zahl an wave Facilities Kunden zeigt. Weiterhin sehen wir, dass Neukunden das Programm ebenfalls stark nachfragen. wave Facilities ist im Markt angekommen.




CAFM-News: Ein paar große Namen haben Sie bereits genannt, wer setzt noch auf wave Facilities?

Eric Drach: Aktuell haben wir die DATEV als neuen Kunden gewonnen. Zu unseren Kunden gehören auch das Karlsruher Institut für Technik (KIT), die Barmer Versicherungen, Tesa in Hamburg, der Allgäuer Zeitungsverlag, Bayer in der Schweiz und auch in Deutschland, die BG Unfallkliniken und Bosch Siemens Haushaltsgeräte, um ein paar Beispiele zu nennen.

Uns freut besonders die Vielfalt der Branchen, aus der unsere Kunden stammen. Von 1986 bis 2000 waren wir hauptsächlich im Gesundheitsmarkt unterwegs, nun haben wir unzählige Kunden aus den Bereichen IT, Bildung, Forschung, Industrie, Automotive, Pharma, öffentliche Hand, Logistik, Handel u.v.m..




CAFM-News: In den vergangenen Jahren war der Messestand von Loy & Hutz auf der Facility Management Messe und dann INservFM immer richtig groß, trotz mancher Gerüchte. War das strategisches Posing?

Eric Drach: (lacht) was denn für Gerüchte? Nein, wir haben unsere Messe-Aktivitäten neu geordnet und einen Schwerpunkt auf die INservFM gelegt. Uns ist wichtig, dass die Größe des Messestandes so gewählt ist, dass wir Besucher und Interessenten auch bedienen können. Wir hatten sowohl letztes Jahr wie auch 2017 eine hervorragende Messe mit guten Gesprächen, interessante Kontakten. Auch waren unsere Leads qualitativ sehr gut. Warum sollten wir „verkleinern“?




CAFM-News: Und dann brennt es hoffentlich nicht gleich nach der Messe wieder!

[Hintergrund: Einen Tag nach der INservFM 2017 brannte im Solar Info Center, in dem Loy & Hutz seinen Hauptsitz hat, ein Labor des dort ebenfalls ansässigen Fraunhofer Instituts, weshalb das Gebäude mehrere Wochen nicht nutzbar war.]

Eric Drach: Ja, mit dem Brand einen Tag nach der Messe hatten wir wirklich Pech. Wir kamen bis vier Wochen nach der Messe nicht an die Leads ran, das ist genau die Zeit, in der man eigentlich nachfassen müsste. Das holen wir derzeit nach.




CAFM-News: Ist denn das Gebäude wieder zugänglich?

Eric Drach: Seit Mittwoch, dem 22.03. können wir wieder in den Etagen zwei und drei arbeiten. Die 1. Etage, in der Marketing, IT und Qualitätsmanagement sitzen, ist erst seit ein paar Tage wieder nutzbar – die Büros lagen direkt über dem Brandherd. Rund um das Gebäude ist immer noch ordentlich Betrieb, dort säubern Spezialfirmen Fassade, Fenster und alles andere, was vom Brand beschädigt und verschmutzt wurde.




CAFM-News: Wie sehr schlägt so ein Brand in ein Unternehmen durch?

Eric Drach: Es hat uns schon getroffen, das muss man sagen. Die vier Wochen, die wir nicht in das Gebäude konnten, haben uns an der ein- oder anderen Stelle ausgebremst. Eine Woche war praktisch Totalausfall, dann konnten wir mit ca. 80 Prozent weiterarbeiten. Das kam ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem wir nochmal einen Gang zulegen wollten und uns auch personell verstärkt haben.




CAFM-News: Das heißt, ein paar Tage Weltuntergangsstimmung?

Eric Drach: So dramatisch auch nicht. Wir haben in dieser Situation sogar sehr viele und unerwartet positive Erfahrungen gemacht. Beispielsweise haben uns Kunden freie Flächen in Freiburg angeboten, damit wir weiter arbeiten können, das war schon toll.

Auch dass Kunden in Projekten geduldig waren und uns unterstützt haben, statt zu drängen, war eine tolle Erfahrung. So hat jede schwierige Situation auch etwas Gutes – sie stärkt den Zusammenhalt im Unternehmen und auch mit den Kunden. Für den Teil sind wir sehr dankbar.




CAFM-News: Hätte es die Niederlassungen in Essen und Frankfurt noch gegeben, hätte man ausweichen können, oder?

Eric Drach: So einfach ist das nicht und wir haben ja auch weitere Standorte. In Hamburg haben wir größere Büroräume bezogen und stellen auch noch jemanden ein.

In der Region Rhein-Ruhr haben wir viele und große Kunden und sind auch auf der Suche nach einem festen Standort in NRW. Die Büroräume müssen vor allem gut erreichbar sein, insbesondere für die Projekt-Mitarbeiter. Deshalb haben wir übrigens den Standort Essen aufgegeben. Den neuen Standort im Westen wollen wir auch mit Mitarbeitern aufwerten.




CAFM-News: Also alles im grünen Bereich bei Loy & Hutz?

Eric Drach: Wir sind sehr zufrieden und auf gutem Wachstumskurs. Der CAFM-Markt im Allgemeinen erfährt gerade einen neuen Stellenwert. Das merkt man auf Messen und auch bei sonstigen Anfragen: Es sind Budgets da, die Anfragen sind konkreter, sie kommen aus Fachabteilungen mit Themen- und Entscheidungskompetenz. Früher war es oft loses Interesse, da wurde sich grob erkundigt, wir haben die Produkte quasi von Grund auf erklären müssen.“




CAFM-News: Das stimmt, den Eindruck, dass CAFM in den Köpfen angekommen ist, vermitteln auch andere Hersteller und die Messe- und Fachgespräche, die wir führen. Die Rechtfertigungs-Not ist damit wohl Geschichte für CAFM.

Eric Drach: Ja, heute stehen konkrete Projekte an und wir haben mit wave Facilities eine ausgereifte Software, die Kinderkrankheiten längst hinter sich hat und mit der es Spaß macht, zu arbeiten. Wir sind für die nächsten zehn Jahre für die Anforderungen des Marktes gewappnet. Daher kann ich sagen: Wir sind bei Loy & Hutz derzeit alle sehr zuversichtlich, entspannt und positiv gestimmt.




CAFM-News: Vielen Dank für das Gespräch.




Abbildungen: CAFM-News



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1 Response

  1. Hier standen bis vor kurzem zwei Kommentare – ein Kommentar eines Lesers und eine Erwiederung von mir.

    Ich habe mich entschlossen, diesen Kommentar zu löschen, weil er anonym ist und für mich in seinem Wahrheitsgehalt nicht nachprüfbar ist.

    Zukünftig werden Kommentare nur noch veröffenlticht, wenn diese verifizierbar und ihre Urheber überprüfbar sind.

    Ich danke für Ihr Verständnis.

    Thomas Semmler

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