Besuch in der Zukunft: Digitalisierung Thema des GEFMA Tags Niedersachsen

Rund 120 Besucher zählte der GEFMA Tag Niedersachsen 2017, der diese Woche bei Phoenix Contact in Bad Pyrmont statt fand

Rund 120 Besucher zählte der GEFMA Tag Niedersachsen 2017, der bei Phoenix Contact in Bad Pyrmont statt fand



CAFM-NEWS – Der Ort war clever gewählt – und attraktiv dazu: Das Werk von Phoenix Contact in Bad Pyrmont bot den thematisch perfekten Rahmen für den GEFMA Tag Niedersachsen 2017 diesen Dienstag. Die Liegenschaft im gefühlten Nirgendwo bietet einen Grad an Vernetzung, den viele erst noch erreichen müssen. Und diese Vernetzung schafft einen erheblichen Benefit: Einsparungen von rund 50 Prozent. Dank Digitalisierung, dem Thema der Veranstaltung.


Digitalisierung vs. BIM

“Digitalisierung im FM finde ich besser als BIM, weil es umfassender ist”, sagte Prof. Uwe Rotermund, Leiter der GEFMA Lounge Niedersachsen und mit seinen Mitarbeitern Organisator der Veranstaltung.

Mit Blick auf die gewaltigen Veränderungen, die bereits eingeleitet sind, prophezeite Rotermund, dass sich die Branche drastisch ändern werde. Der Fokus liege hierbei nicht allein auf dem Gebäudeautomation, er bringt auch neue Strukturen im Gebäudebetrieb. “Wir bekommen FM 4.0, denn wir werden die FM-Strukturen an Industrie-Strukturen anpassen müssen”, so Rotermund.

Zugleich kritisierte Rotermund den derzeitigen Status quo: “BIM und Betrieb sind in der Praxis noch nicht angekommen”, sagte er. Als wichtige Grundlage forderte er ein Gesamtdatenmodell, das die Bau- und Betriebsprozesse beschreibt, hieraus ein Datenmodell ableitet und dieses in einem CAFM-System abbildet. Seine Prognose: Die zunehmende Vernetzung der Systeme werde von Smart Metering über Smart Buildings zu Smart Cities führen, proprietäre Protokolle werden aussterben.


Gastgeber als Impulsgeber

“Nach Bad Pyrmont kommt man nicht zufällig vorbei, da muss man schon ganz doll hinwollen.” Stefan Frigge, Geschäftsführer Vertrieb bei Gastgeber Phoenix Contact, nahm die Begrüßung locker, das Thema Gebäudemanagement dagegen ernst. Denn Phoenix Contact stellt nicht nur Verbindungstechnologien her, es nutzt sie auch ausgiebig im eigenen Haus. Ob Solaranlage auf dem Dach oder die Vernetzung von Produktion und Gebäudehülle – keine Option, die nicht auf Herz und Nieren geprüft wird. Das belegte eine Führung am Nachmittag eindrucksvoll, zu der ein Vortrag am Vormittag die theoretische Basis lieferte:


Kommunikative Gebäude

Frank Schröder, FM-Leiter bei Phoenix Contact, und sein Kollege Bernhard Tillmans, Leiter Global Industry Management, beschrieben im Detail, wie die eigenen Gebäude kommunikativer gemacht werden. “Für uns ist FM, im Betrieb die Produktion abzusichern und den Mitarbeitern ein Umfeld zu geben, in dem sie gerne arbeiten”, umriss Schröder vorab den Fokus, um sich dann der Technologie zuzuwenden.

Die zunehmende Automatisierung der Gebäude erfordere eine Daten-Standardisierung, denn die damit einhergehende Digitalisierung im FM erfordert einen Daten-Fokus: “Wir müssen sammeln, um zu sehen, wie ein Gebäude funktioniert und um über einen Optimierungsprozess das Gebäude weiter zu ertüchtigen”, erläuterte das Phoenix-Duo den Zyklus.

Für die Kommunikation zwischen den Welten der Gebäude- und Industrieautomation hat Phoenix Contact einen Building-IT-Controller entwickelt. Er kann diverse Protokolle verarbeiten und verbindet die Feldgeräte mit dem Managementsystem. Hiermit schafft der Controller den Brückenschlag zwischen konventioneller Welt und IoT.

Dazu gibt es eine IoT-Plattform in der Cloud mit angeschlossener Big Data Lösung. Sie integriert Liegenschaftsmanagement, aktives Energiemanagement, Gebäudeinfrastruktur und Raumautomation auf einer Plattform.

Die Kosten durch das mehr an Technologie sei bei der Gebäudeerstellung nicht wesentlich höher als bei konventionellen Gebäuden, versicherte Schröder. Die Kosten seien aber auch gar nicht das eigentliche Hindernis: “Die Hürden sind in den Köpfen der Menschen”, so Schröder.


Wollmilchsau mit To-Do-Liste

Was ein Bürogebäude heute schon bieten kann, erläuterte Andreas Thamm, Geschäftsführer von OVG Real Estate. Die Büroentwickler aus Amsterdam haben nämlich mit The Edge ein wegweisendes Gebäude gebaut, das ökologisch und ökonomisch ist, dabei für seine Mieter preiswert, und das den Nutzern ein attraktives und gesundes Arbeitsumfeld bietet. Klingt nach eierlegender Wollmilchsau, und das ist es auch.

The Edge nutzt zum einen IoT-Technologie wie beispielsweise per PoE angeschlossene und dimmbare Leuchtmittel, von Philips eigens entwickelt. Hierüber können Gebäude-Funktionen vom Nutzer individuell gesteuert werden – oder das Gebäude steuert für den Nutzer, beispielsweise wenn er in einen anderen Büroraum umzieht und das Haus dort automatisch die Wohlfühl-Atmosphäre einstellt.

Dazu ist The Edge mit smarten Funktionen angereichert: Per App können Nutzer sehen, wo sich ein Kollege innerhalb der Co-Working Spaces oder sonstwo im Gebäude befindet, sie können Räume mit einer intuitiv zu bedienenden App buchen, ihr Essen vorbestellen, die aktuelle Flächenbelegung abrufen, um ein stilles Eckchen zu finden. Die Optionen sind vielfältig und dürften, wenn derartige Funktionen Standard werden, als Aufgabe in die Zuständigkeit des Facility Managers fallen. Und sein Berufsbild nachhaltig verändern.


CAFM und BIM Chemiewerk

Was ein CAFM-System im Alltag leisten kann, erläuterte Reiko Hinke, verantwortlich für das Gebäudeflächen-Management der BASF in Ludwigshafen. Das CAFM-System ist seit 2003 in Betrieb und wird inzwischen von 240 Mitarbeitern genutzt. Allein seine Zahlen sind beeindruckend:

In ihm sind rund 2000 Gebäude angelegt, 2,6 Millionen qm Gebäudefläche sind erfasst, von denen 1 Million qm Nutzerkostenstellen zugeordnet sind. 90.000 TGA-Pbjekte sind in den Plänen verortet, dazu 20.000 Fluchtwege-Symbole. Und auch 35.000 Mitarbeiter sind grafisch platziert. Damit alles aktuell bleibt, pflegen die Mieter die Rauminformationen.

Hinke betrachtete auch das Thema BIM. “Die Frage ist die Überführung der Daten in das CAFM – da sind viele offene Fragen”, so der Manager. Hausinern klären Experten-Gremien, was die BASF tatsächlich benötige. Die größte Herausforderung sei allerdings, die Planer und Ausführenden zu finden, die mit der neuen Welt arbeiten können, während der Bausektor boomt.

“Wir kommen aus der Steinzeit und haben mit Digitalisierung viel erreicht”, meinte Hilke, aber “mit Blick auf die Zukunft wird es noch spannend und herausfordernd – und wir brauchen die Leute dazu”, warb er für mehr BIM-Wissen auf allen Ebenen.


Podium mit viel Mal Pro

Den Abschluss der informativen und impulsreichen Veranstaltung bildete eine Podiums-Diskussion zum Thema Digitalisierung, die aus verschiedenen Winkeln betrachtet dennoch zum gleichen Ergebnis führte:

“Ich bin ganz klar pro Digitalisierung”, sagte Dietrich Schulz, Geschäftsführer des Immobilien-Dienstleistungsunternehmen Vivawest, das bereits mit verschiedenen Ansätzen Erfahrungen sammelt.”An der Digitalisierung führt kein Weg vorbei, und da muss auch die Wohnungswirtschaft Investitionen vornehmen”, so Schulz.

“Was man nicht aufhalten kann, muss man beschleunigen”, lautete die Diagnose von Phoenix Haus-FM’ler Schröder. Aber die Anwendungen müssten einfach sein und einen klaren Benefit bieten.

Sein Kollege Herbert Kamionka sprang ihm bei: “Digitalisierung bietet dem Betreiber eine echte Chance, Liegenschaften besser und effizienter zu betreiben”, so der Bereichsleiter am Hauptsitz in Blomberg. Und mit den nachrückenden jungen Leuten als Mitarbeitern komme der technologische Fortschritt unweigerlich.

Auch Nils Luecken, Geschäftsführer bei FM-Service Dienstleister RGM Holding, ist klar Pro Digitalisierung. “Die entscheidende Frage ist, wie wir den Level der Daten hoch halten”, sagte er und verwies auf der noch oft zu findenden Medienbrüche zwischen Ausschreibung und BIM-Modell zu CAFM.

Das hier eine zentrale Aufgabe liegt, darüber herrschte Einigkeit. Und auch über den Nutzen der Daten im Immobilien-Betrieb. Prof. Rotermund brachte sie mit einem kurzen Statement auf den Punkt: “Die Chancen sind riesengroß.”



Abbildungen: CAFM-News



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